Regie Anmerkungen
Durch eine Verknüpfung glücklicher Umstände haben wir, Claudia Pöchlauer und Walter Größbauer, im Jahr 2007 die Psychotherapeutin Hilde Heindl kennengelernt und so von ihrem Hilfsprojekt in Mali erfahren.
Unser Interesse, einen Dokumentarfilm über ihr Vorhaben zu machen, stieß auch bei Hilde Heindl auf großes Interesse. Wir wollten die Entstehung und Durchführung eines privaten Hilfsprojekts beobachten, um zu erfahren, wie mit Hilfsgeldern umgegangen wird, und was damit vor Ort passiert.
Aus heutiger Sicht wollen wir festhalten, dass Hilde Heindl damals großen Mut bewiesen hat, diesen Film zuzulassen. Denn wir hatten vor, einen realistischen und ungeschönten Blick auf ein privates Hilfsprojekt zu werfen. Wir wollten keinesfalls einen Imagefilm über das MALI-Projekt machen.
Im Oktober 2008 fuhr Walter Größbauer mit dem Team des Hilfsprojekts zum ersten Mal nach Mali. Es standen unterschiedliche Termine auf dem Programm: der Besuch bei diversen Dorfchefs und beim Gouverneur der Region Mopti, eine Pressekonferenz in Bamako, die Suche nach einer Bootswerft zur Auftragsvergabe für den Bau einer Pinasse etc. Auch Personal musste rekrutiert und der Bedarf an Schulsachen, Medikamenten usw. evaluiert werden.
Die filmische Arbeit stellte hohe Anforderungen an das Film-Team, da wir nie wussten was uns bevorstünde. So begann unsere filmische Bestandsaufnahme mit dem Besuch des Dorfes Madina Tongoronko auf einer Pinasse, die von Mopti aus Niger abwärts fuhr. Bei unserer Ankunft stand die gesamte Dorfgemeinschaft am Ufer und empfing uns, im wahrsten Sinne des Wortes, mit Pauken und Trompeten. Frauen sprangen in den Fluss und schütteten übermütig Wasser aus Kübeln in die Luft, andere tanzten ekstatisch mit ihren Paddeln im Fluss. Erinnerungen an Klischee- Bilder aus Hollywoods Afrika- Filmen der 60er Jahre wurden geweckt. Man stellte uns dem Dorf-Chef und der Dorfgemeinschaft vor, die mit einer besonderen Art der Darbietung auf uns wartete: In einer selbstinszenierten Show präsentierten sie ihre Arbeit und den Alltag im Dorf. Diese Inszenierung war von einer Radikalität und einem Surrealismus, der an Antonin Artaud, den Urvater der Performance-Kunst, erinnerte.
Diese und ähnliche Szenen ziehen sich wie ein roter Faden durch den Film. Es erschien uns wichtig, die Hilfe-Empfänger nicht als "arme Mitleidhascher" darzustellen und uns einer eurozentrischen Sichtweise zu bedienen, die Filmemacher, aber auch Hilfsorganisationen zuweilen einnehmen, wenn es um Afrika geht. Bewussten und vorurteilsfreien BetrachterInnen wird rasch klar, dass die Kunst, ein Hilfsprojekt durchzuführen, meist einem akrobatischen Akt gleicht, in dem dauernd zwischen der korrekten Abwicklung des Projektes und einer fundamentalen Kompromissbereitschaft balanciert wird.
In der Person und Position von Fatimata Sangare, der Projektkoordinatorin vor Ort, wird deutlich, dass es oft auch einheimische Profiteure gibt, die nur darauf warten, in die Dienste einer ausländischen Hilfsorganisation zu treten, um damit ihr überlebensnotwendiges Netzwerk mit zu bedienen. Aber meistens geht es auch nicht ohne sie.