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"DIE MüLLKINDER VON MOKATTAM"
Leben und Arbeiten mit Müll
15. September - 30. November 2006
Mo-Fr 09:00-18:00

Nabil, Milad, Makari und Samuel. Sie sind Kinder wie überall auf der Welt. Sie lachen, sie singen und spielen, sie staunen und zeichnen. Und doch unterscheidet sich ihr Lebensraum deutlich von dem anderer Länder. Sie wachsen auf im Müll einer 20 Millionen Metropole. Der Abfall Kairos ist ihnen Fluch und Segen zugleich.

Ein Müllviertel in Kairo-Mokattam
Die "Zebbaleen", landlose, verarmte, koptische (urchristliche) Bauern aus dem Süden des Landes, zogen in den späten 40er Jahren des 20 Jahr- hunderts nach Kairo auf der Suche nach dem Glück. Seither bestimmen Schmutz und Bakterien ihren Alltag. Sogar in ihren Wohnräumen, in kleinen Blechhütten oder unverputzten Ziegelhäusern, stapeln sich Müllberge.
Hier arbeiten, essen und schlafen sie. Den Müll sammeln die Männer im Morgengrauen mit ihren Eselkarren in den wohlhabenderen Vierteln von Kairo. Barfuss sitzen dann vor allem Frauen und Mädchen im Abfall, fassen mit bloßen Händen in die fauligen Reste, die Kairos bessere Gesellschaft weggeworfen hat. Ihr Hauptinteresse gilt Plastik und Papier, Blech und Glas. Alles Verwertbare wird recycelt - auch der organische Müll. Er kommt in den hinteren Verschlag zu den Schweinen. Was sie mit dem Sortieren von Abfall verdienen, ist wenig. Es reicht gerade zum überleben.
Trotz Elend und Sorgen kämpfen die Bewohner von Mokattam für den Erhalt ihrer illegalen Müllsiedlungen. Denn hier ist ihr Zuhause, hier haben sie zumindest Arbeit.
Wer weiß, wie lange noch. Denn mittlerweile sind multinationale Entsor- gungsunternehmen aus Europa von der Regierung beauftragt, den Müll zu sammeln und der Wiederverwertung zuzuführen. Die armseligen Esels- karren und mit ihnen die bedauernswerten Müllmenschen sollen für immer vom Stadtbild verschwinden. Alternativen gibt es kaum, außer Aufklärung und ein funktionierendes Bildungssystem.

Die Schule
Die "Recycling School for Boys" wurde 2001 von der UNESCO gegründet, um Kindern und Jugendlichen eine adäquate Ausbildung zu ermöglichen und dem Analphabetentum entgegen zu wirken. Eine ähnliche Schule für Mädchen ist in Planung.
Neben Lesen und Schreiben steht vor allem "Recycling" im Mittelpunkt des Unterrichts, ebenso Hygiene- Erziehung, Umweltschutz und Wirtschafts- kunde. Zeichnen und Theaterspiel ergänzen den Fachunterricht.
Die Schule hat sich darauf spezialisiert, Shampoo-Flaschen aus Plastik für die Wiederverwertung zu bearbeiten. Sie werden sortiert, vom Etikett befreit und anschließend mit einer Maschine granuliert. Das Granulat wird dann durch kleine Subunternehmer an die Hersteller weiterverkauft. Lehrer und sonstige Kosten für den Schulerhalt werden damit finanziert. Auch jedes Kind wird mit einem kleinen Betrag entsprechend Einsatz und Leistung entlohnt, der ein wichtiges Zusatzeinkommen für die Familie darstellt.

Die Ausstellung
Sich etwas "von der Seele zeichnen"- das ist eines der wichtigsten Lernziele im Zeichenunterricht in der Schule von Mokattam. Auf spielerische und kreative Weise können die Kinder so den schwierigen Alltag besser verarbeiten.
Mit Schülern und Lehrern haben wir für dieses Ausstellungsprojekt inhaltliche Schwerpunkte erarbeitet. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die Themen Umwelt, Familie und Zukunft wurden in bunten, berührenden und fantasievollen Strichen auf selbst gefertigtem Recyclingpapier festge- halten. Wir haben aus einer Fülle von Blättern eine Auswahl getroffen, 40 Zeichnungen, die vom Leben der Kinder im Müll erzählen, von ihren ängsten und Sehnsüchten.

Ein Film, Fotoobjekte, Installationen, ein Kalender, und Gefäße aus Altglas ergänzen die Ausstellung und vermitteln ein ergreifendes Bild des Lebens im Müll.

Der Erlös aus dem Verkauf der Zeichnungen und des Kalenders wird zu 100 Prozent der Schule von Mokattam zur Verfügung gestellt. Dieses Geld wird dringend zur Erhaltung und Verbesserung der Infrastruktur benötigt.

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